Heute in der Jungen Welt: Wie der letzte Husten
In unterschiedlichen Branchen sind Erfahrungen ähnlich niederschmetternd, wenn es um den Einstieg in die Selbständigkeit unter diesen Umständen geht. Die PR-Texterin Julia Schmidt (Name verändert) berichtet: Vom Amt kommt erst mal Abwehr. Behördenmitarbeiter behaupteten, der Antragsteller sei gar nicht fähig, sich selbständig zu machen. Immer die gleiche alte Leier: Nach dem Anzweifeln der Qualifikation des Antragstellers folge der Versuch, in Ein-Euro-Jobs oder Leiharbeit zu vermitteln. Lehnt der Betroffene ab, wird sanktioniert und Geld gesperrt. »Ich hab mich nicht gebeugt. Sie haben gemerkt, daß ich meinen eigenen Kopf hab«, sagt die 55jährige. Ihre Stimme klingt erfrischend selbstbewußt. Sie ist in der Lage, komplexe Sachverhalte schnell auf den Punkt zu bringen. Was allerdings beim Amt zunächst nicht positiv aufgenommen worden sei. »Früher wurde Ich-AGs Geld hinterhergeschmissen; heute ist alles schwierig«, kritisiert sie. »Sie hätten wohl gern, daß man als Hartz-IV-Empfängerin sein Gehirn an der Garderobe abgibt.« Einen Existenzgründerlehrgang hätte sie gern besucht – er wurde nicht finanziert. Einstiegsgeld erhielt sie nicht.